Erinnerungsorte in Moers
Moers bewahrt an vielen Orten die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und an den Widerstand gegen die Diktatur. Der Verein „Erinnern für die Zukunft e.V." hat seit seiner Gründung 1995 maßgeblich dazu beigetragen, diese Erinnerungsorte zu schaffen und lebendig zu halten.
Stolpersteine im gesamten Stadtgebiet
128 Stolpersteine erinnern an jüdische Mitbürger, Widerstandskämpfer und „Euthanasie“-Opfer direkt vor ihren ehemaligen Wohnhäusern. Der Verein initiierte 2013 gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit die ersten Verlegungen durch den Künstler Gunter Demnig. Schülerinnen und Schüler reinigen die Steine jährlich und halten so die Erinnerung wach.
Widerstandsmahnmal am Alten Landratsamt
Vor dem Alten Landratsamt ehrt seit 2000 ein Mahnmal den Widerstand im Kreis Moers gegen die NS-Herrschaft. Der Verein führte die Bürgerinitiative an, die mit 700 Unterschriften und zahlreichen Spenden das Denkmal ermöglichte.
Moorsoldaten-Denkmal in Meerbeck
Auf dem Barbaraplatz in Meerbeck steht seit 2024 das Moorsoldaten-Denkmal (geschaffen von Hans-Jürgen Vorsatz). Es erinnert an Johann Esser, den Moerser Bergmann und Dichter des weltbekannten „Moorsoldatenliedes“, das in den Emslandlagern entstand. Die feierliche Einweihung stand unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. Eine Informationstafel und die Website www.moorsoldaten.info vervollständigen den Gedenkort und vernetzen Moers mit der internationalen Erinnerungsarbeit.
Jüdischer Torbogen in der Altstadt
Der erhaltene Torbogen der 1938 zerstörten und 1975 abgerissenen Synagoge in der Altstadt ist ein zentraler Ort des Gedenkens. Hier finden regelmäßig Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen statt, so auch zum 9. November in Kooperation mit verschiedenen Vereinen und demokratischen Parteien.
Altes Landratsamt – Haus der Demokratie
Seit 2022 beherbergt das sanierte Alte Landratsamt die Dauerausstellung zur Demokratiegeschichte des 20. Jahrhunderts im Altkreis Moers. Der Verein „Erinnern für die Zukunft“ wirkte aktiv am Nutzungskonzept mit und gründete 2015 den Trägerverein „Neue Geschichte im alten Landratsamt“ mit. Das Gebäude ist heute ein lebendiger Lern- und Begegnungsort.
Gräber von Zwangsarbeitern auf Moerser Friedhöfen
Auf mehreren Friedhöfen im ehemaligen Altkreis Moers ruhen Zwangsarbeiter, die während der NS-Zeit ums Leben kamen. Der Verein organisiert dort regelmäßig Gedenkfeiern – zuletzt 2025 die zentrale Veranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung am Friedhof Meerbeck an den Gräbern sowjetischer Zwangsarbeiter.
Weitere Gedenktafeln und Gedenksteine
- Gedenkstein für Johann Esser auf dem Friedhof Rheinhausen-Trompet (2014)
- Gedenktafel für Johann Steegmann in Repelen (2018), Widerständler und Nachkriegsbürgermeister
- Gedenktafel für Willi Müller in Meerbeck (2025), Widerständler und Buddhist
- Geschichtsstationen an verschiedenen Orten in Moers zur NS-Zeit, zum Treibstoffwerk und zu Ehrengräbern (seit 2014)
Hermann-Runge-Gesamtschule
Die Schule trägt seit 1996 den Namen des Widerstandskämpfers Hermann Runge – ein Erfolg, den der Verein aktiv unterstützte. 2019 wurde das Foyer mit Original-Unterlagen aus der NS-Dokumentationsstelle neugestaltet und zu einem Erinnerungsort für Schülerinnen und Schüler.
Diese Erinnerungsorte sind keine stummen Denkmäler – sie leben durch die kontinuierliche Arbeit des Vereins, durch Schulprojekte, Gedenkveranstaltungen, Führungen und die Begegnung mit Zeitzeugen und ihren Nachkommen. So wird Geschichte erfahrbar und Erinnerung zur Verpflichtung für die Zukunft.