Zwangssterilisation und „Euthanasie“ 1933–1945
Vergessenes Leid vor der eigenen Haustür: Die Publikation untersucht erstmals umfassend die NS-Medizinverbrechen im ehemaligen Kreis Moers. Sie zeigt, wie Ausgrenzung, Zwangssterilisation und die Ermordung als „lebensunwert“ stigmatisierter Menschen durch medizinische, staatliche und kommunale Strukturen organisiert und umgesetzt wurden.
Im Mittelpunkt stehen die Rolle des Gesundheitsamtes und der Ortspolizei, die Zwangssterilisation nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, die Schicksale von Menschen aus der Region im Rahmen der „Aktion T4“ und der „Kindereuthanasie“ sowie die dezentralen Krankenmorde nach 1941. Ein eigenes Kapitel widmet sich den Zwangssterilisationen von Zöglingen im Haus Elim in Neukirchen-Vluyn. Auch der Umgang mit den Verbrechen nach 1945 und die Entwicklung der Erinnerungskultur werden thematisiert.
Besonders wichtig ist der Blick auf die Opfer als Individuen: Eine Opferliste dokumentiert die Namen von 265 Menschen aus der Region, die von der NS-„Euthanasie“ betroffen waren. Wo die Quellen es ermöglichen, werden ihre Lebens- und Leidensgeschichten sichtbar gemacht.
Die Publikation macht deutlich: Die NS-Medizinverbrechen geschahen nicht nur an entfernten Tatorten. Auch im Altkreis Moers wurden Ausgrenzung, Erfassung und Verfolgung durch regionale Behörden und Institutionen ermöglicht und vorangetrieben. Damit leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur regionalen Geschichtsforschung, zur Erinnerung an die Opfer und zur Auseinandersetzung mit der Verantwortung staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen.
Die Publikation
Titel: NS-Medizinverbrechen im Altkreis Moers. Zwangssterilisation und „Euthanasie“ 1933–1945
Herausgeber: Erinnern für die Zukunft e. V. Moers / NS-Dokumentationsstelle im Stadtarchiv Moers
Umfang: 252 Seiten
Ausstattung: Hardcover mit Fadenheftung
Preis: 25 Euro
Erhältlich bei: Barbara-Buchhandlung, Stadtinformation Moers und Grafschafter Museum im Schloss.